Dienstag, 15. Dezember 2009

Was mit Büchern

Wie versprochen, nach dem Musik-des-Jahres-Post kommt jetzt auch noch die Liste der besten Bücher des Jahres, natürlich strengstens subjektiv gehalten. Ich habe gerade mal in meiner geheimen Liste nachgezählt, bisher habe ich 50 Bücher gelesen. Wenn ich mich ranhalte, komm ich noch auf 52 und damit ein Buch pro Woche. Daumen drücken!

Ich hab ja gedacht, diese Liste wäre viel leichter als die Musikliste. Aber jetzt, wo ich nochmal gesehen habe, was ich alles dieses Jahr gelesen habe, ist es gar nicht mehr so einfach. Da waren viele gute Bücher dabei - die Millennium-Trilogie von Stieg Larsson, die komplette Thursday-Next-Reihe von Jasper Fforde, zwei von drei Skulduggery-Pleasant-Büchern von Derek Landy, die Tobie-Lolness-Reihe von Timothee de Fombelle.....einfach SO VIEL! Und von den Hörbüchern wollen wir gar nicht erst anfangen, das waren nämlich auch 20 oder so.

Trotzdem, nach einigen Überlegungen hab ich mich auf drei Sieger festlegen können, die einfach absolut herausstachen. Aber weil das Siegertreppchen nicht alles ist, vergeb ich auch noch die Plätze vier und fünf. Also auf geht's:

Platz 5: Wolfgang Bortlik - Fischer hat Durst
Das Buch hätte ich erst fast stehenlassen im Regal, weil die Aufmachung etwas seltsam ist und der Klappentext...naja. Aber: Ich hab es fast in einem Rutsch durchgelesen, so sehr hat es mich gefesselt. Fischer ist ein kleiner Loser in einer schweizer Kleinstadt - erfolglos als Schriftsteller ud erfolglos als Ehemann und Vater. Außerdem pleite. Als wär das nicht genug ist es unerträglich heiß und beim Blumengießen bei seiner Ex findet er ein menschliches Ohr in ihrem Garten. Jetzt entspinnt sich eine völlig absurde, aber genial geschriebene Geschichte, in der Fischer immer wieder den Weg eines Serienkillers kreuzt und am Ende selbst im Gefängnis landet. Tolle Figur, echt - so zynisch und misanthropisch. Macht wirklich Spaß.

Platz 4: Juli Zeh - Corpus Delicti
Hatte ich ja schon drüber geschrieben. Eine Zukunftsvision ex negativo: Ein übermächtiges System, dem nichts heiliger ist als die Gesundheit jedes einzelnen Mitglieds der Gesellschaft. Die Ratio ist das wichtigste Hilfsmittel um die Gesundheit zu erhalten, alles geht nur um Fakten und jeder Bürger muss regelmäßig über seine körperliche Fitness Rechenschaft ablegen. Systemgegner, die sich in der Gruppe "Recht auf Krankheit" sammeln, versuchen, das System zu unterminieren. Aber wirklich in Gefahr gerät es erst, als Mia die Unschuld ihres verurteilten Bruders beweisen will. Sehr kühl und sachlich geschrieben und gerade deswegen glaubhaft und eindringlich. Weniger spaßig zu lesen, dafür aber interessant.

Platz 3: Bethan Roberts - Köchin für einen Sommer
England in den 30'er Jahren - die junge Kitty bewirbt sich um den Job der Köchin in einem Künstlerhaushalt. Sie bekommt den Job und sieht sich plötzlich nicht nur mit der Upper Class sondern auch mit ihrer amerikanischen Arbeitgeberin, die recht offene Moralvorstellungen hat, konfrontiert. Der Untertitel "Love, Class and Cooking" der englischen Ausgabe passt perfekt, denn genau das präsentiert Bethan Roberts auf sehr leichte Art und Weise.

Platz 2: Charles Chadwick - Eine zufällige Begegnung
Was jedem Menschen zu Elsie als erstes einfällt ist folgendes: Sie ist häßlich. Deswegen wenden sie sich in der Regel von ihr ab, sogar ihre eigene Mutter hat Probleme, ihrer Tochter unbefangen gegenüber zu treten. Elsie hat sich damit abgefunden und erwartet kein Entgegenkommen mehr von den Menschen. Doch dann trifft sie Stanley, der gerade aus dem Gefängnis entlassen wurde. Er will eigentlich nur ihre Naivität ausnutzen, aber ohne dass er es will, schleicht sich da plötzlich Freundschaft ein. Ein sehr schöner Roman über innere und äußere Schönheit, über zufällige Freundschaft und über die Art, wie man Menschen vorurteilsbeladen begegnet. Wunderschön erzählt.

Platz 1: David Nicholls - Zwei an einem Tag
Ganz klar mein Gewinner. Ich hab ja schon kurz nach dem Lesen festgelegt, dass Emma Morley meine neue, literarische beste Freundin ist. Und wenn man jemals Urlaubsreisen in Romane machen kann, wird dieser mein erstes Ziel. Emma und Dexter sind Kommilitonen und freunden sich kurz vor knapp noch an, bevor das Studium zu Ende ist. Und damit beginnt das Drama - mal will sie, aber er nicht, dann will er, aber sie nicht, immer schrammen sie knapp aneinander vorbei. Erzählt wird der ganze Roman jeweils am 15. Juli, zwanzig Jahre lang. Jedes Jahr hat sich die Beziehung der beiden ein wenig verändert, ist besser oder schlechter geworden. Das ist einfach aus dem Leben gegriffen, was auch absolut die Stärke von David Nicholls ist, Figuren zu erschreiben, die wir als Nachbarn haben könnten. Und weil er so schön vom Leben abschreibt, kommt sein Liebes-/Freundschaftsroman auch völlig ohne Schnulz aus, sondern bleibt einfach bei den Gefühlen, die wir alle kennen. Großartig, einfach großartig!

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