Montag, 14. Dezember 2009

Just a little insane but ahead of the game

Hahahaha,

Leute, das war mal wieder so ein Konzert gestern, wo man doch recht häufig von der Musik abgelenkt wurde, weil die Musiker einfach zu lustig waren. Und zwar nicht im Sinne von "die haben so lustige Sachen erzählt", sondern die waren einfach an sich, als Personen, lustig anzusehen.

Aber - first things first. Kaum im Hirsch angekommen, bot sich mir ein ungewohntes Bild: Bänke. Es sollte also ein Sitzkonzert werden. Denen stehe ich eher gespalten gegenüber. Zwar steht man nicht die ganze Zeit dumm rum und überlegt, wohin mit den Armen und Händen...aber dafür sitzt man halt dumm rum und weiß nicht, wohin mit den Beinen. Außerdem habe ich immer das Gefühl, die Musiker wollen sich ihr Publikum irgendwie vom Hals halten, wenn die erste Bank zwei Meter von der Bühne weg steht. Ich war noch bei keinem Sitzkonzert, bei dem zwischen Band und Publikum eine wirklich gute Stimmung aufkam.

So hatte auch Therese Johansson von der Band Lowood, die solo das Vorprogramm bestritten hat, damit zu kämpfen, dass sie das Publikum weder sehen noch hören konnte. Außerdem war sie sehr nervös, wie sie uns gleich zu Anfang mitgeteilt hat. Dabei hatte sie da eigentlich gar keinen Grund zu, zwar schwieg das Publikum beharrlich, aber der Applaus nach jedem Song war wirklich nicht zu knapp. Ich muss aber auch sagen, sie hat eine wunderschöne Stimme und ein paar wunderbare Songs präsentiert. Für ein Duett kam gleich mal der Hauptdarsteller des Abends selbst auf die Bühne. Eben jenes Duett in Studioversion kann man auch auf der Myspace-Seite von Lowood hören, es heißt "It's a mess". Nach fünf kurzen Stücken, die dem Sitzen-und-Schauen sehr entgegenkamen, war schon Schluss und die Rainaways waren dran.

Und als ich den Bassisten gesehen habe, musste ich mich wirklich zusammenreißen. Angezogen war er halt wie so ein typischer Indie-Junge (Jeans, kariertes Hemd, coole Schuhe, Mütze), also nichts ungewöhnliches. Aber der Bart! Sehr lang und zu Dreads gezwirbelt. Ich weiß nicht, ob in seinem Umfeld niemand "Fluch der Karibik" gesehen hat oder sich niemand traut, es ihm zu sagen, aber er sah wie eine 1:1-Kopie von Captain Barbossa aus. Die Ähnlichkeit wuchs noch, als er anfing zu tanzen und die Zwirbel sich bewegt haben. Das Bild, das ich gefunden habe, wird dem noch gar nicht so gerecht, aber ich glaube, man bekommt einen guten Eindruck.

Die Band an sich war witzig anzusehen. Als ob jeder der drei Gitarreros bei einem jeweils anderen Konzert war. Barbossa hat zu Funk getanzt, der Gitarrist hat mit verträumt geschlossenen Augen alten Hippiezeiten nachgehangen und Kristofer Aström war der typische "ich beweg mich so wenig wie möglich"-Indiemusiker, der einfach nur smart aussieht. Und der Schlagzeuger hat mich ein wenig an das Tier aus der Muppetshow erinnert.

Das Konzert war aber auch vom offensichtlichen Entertainmentfaktor abgesehen sehr sehenswert. Neben viel von der aktuellen Platte "Sinkadus", die ich leider nicht habe und auch bisher nur zwei oder drei Songs draus gehört habe, kamen auch viele "Klassiker". Allen voran mein absoluter Lieblingssong von ihm "All Lover's Hell", wofür ich ihm sehr dankbar bin. Denn in letzter Zeit muss ich bei Konzerten immer wenn die größten Hits kommen, denken "Wow, die müssen doch langsam selbst SO genervt von den Liedern sein!". Deswegen freu ich mich jetzt immer umso mehr, wenn ein Musiker zum x-tausendsten Mal eins meiner Lieblingsstücke spielt.



Insgesamt war das ein sehr gelungener Abend mit Abzug des Sitzenmüssens (Leute, die stehenblieben, wurden tatsächlich aufgefordert, sich hinzusetzen). Schöne Musik, schöne Stimmen, Musiker die Spaß auf der Bühne haben, ein Sänger, der sich drüber freut, dass das Bier "Hirsch" heißt und offensichtlich nicht mit dem Prinzip des Bügelverschlusses vertraut ist. Viele kleine, charmante, sympathische Bemerkungen und Momente. Ich habe den ganzen Abend überlegt, wie alt Kristofer Aström eigentlich ist, weil er so jung aussieht. Wie der kleine Bruder, den man nie hatte...also, nicht wie der kleine Bruder, den man nicht HATTE (denn den hab ich ja), sondern wie der, den man wirklich NIE hatte. So richtig kleinbrüderlich halt. Aber da er seine erste Band Fireside (übrigens eine der beliebtesten Punkrockbands Schwedens) 1992 gegründet hat, muss er so Mitte dreißig sein, hab ich mir überlegt. Sieht aber aus wie 15, im positiven Sinne.

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