Ich liebe Olli Schulz ja schon seit ewig. In Zahlen übersetzt: Seit ich ihn im November 2003 im Vorprogramm von Paul Weller in Hamburg gesehen hab. Da hatte er grad mal sein erstes Album aufgenommen, war beim Grand Hotel van Cleef frisch unter Vertrag und lief geheimstestens nur bei Fast Forward auf Viva, wenn auch wirklich niemand mehr hinschaute.
Und dann eben da im Vorprogramm. Gott, ich fand ihn so gut, war so unglaublich verliebt in "Weil die Zeit sich so beeilt" und "Der kleine Bär" und "Unten mit dem King". Und lustig war er auch. Klaro, dachte ich, den muss man sich merken, der ist super.
Und so isses dann auch tatsächlich - den musste man sich merken und heute isser ja auch immer noch da. Viel erfolgreicher, als jemals zuvor, weil er jetzt plötzlich in der Super-Hipstersendung mit den nervigen Joko und Klaas irgendwie mit auftritt. Ich hab "Neo Paradise" noch nie gesehen, weil ich ZDF Neo nicht wirklich reinbekomme, deswegen weiß ich nicht, was Olli Schulz da eigentlich macht. Aber - ich glaube, es sind Dinge, die vor allem 16-20-jährige mögen, die bevorzugt männlich sein sollten.
Denn, im Vergleich zum letzten Konzert im Nürnberger Raum ist eine deutliche Veränderung des Publikums wahrzunehmen: Junge Hipster, denen die Musik von Herrn Schulz eigentlich wurscht ist, sondern die vor allem zotige Geschichten zwischendurch hören wollen. Für ihn selbst freut es mich, dass er jetzt bekannter ist und mehr Erfolg hat und im TV so präsent ist ... aber rein publikumstechnisch war das Konzert am Dienstag grauselich. Hinter uns (wie fast immer war ich mit Anja unterwegs) saßen drei Jungs, die Olli Schulz ganz sicher nur durch Neo Paradise kannten, das ganze Konzert über lautstark gequatscht haben und immer, wenn ein Song mal lauter wurde, eben noch lauter schrieen, damit die Musik ihre Unterhaltung nicht stört. Schade.
Nunja - glücklicherweise ist die Musik von Olli Schulz so super, vor allem durch seine oft so naiven Texte, die irgendwie immer genau den Kern der Sache treffen, dass es nur eine kleine Anstrengung braucht, um alles andere auszublenden. Ich habe zwar mal gehört, er sei ein ziemliches Arschloch und bei manch einer seiner Geschichten zwischen den Songs kann ich mir das auch durchaus vorstellen - aber es ist mir egal. Er ist ja nicht zu mir ein Arschloch, ich kenn ja nur die ganzen wundervollen Texte und Zeilen, die man sich so schön zu eigen machen kann, die kleinen verschrobenen Geschichten, die er in seine Songs packt. Ich kenn ja nur seine Musik. Und die ist, seit ich sie kenne, toll - hält eine gute Balance zwischen ernsthaft, optimistisch, albern, naiv und großartig.
Und auch nach Dienstag kann ich sagen: Ich war noch auf keinem schlechten Konzert von ihm...und es waren mittlerweile einige. Ich bin gespannt aufs nächste Mal...
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