Freitag, 14. Oktober 2011

"Danke" und "Entschuldigung"

Das sind zwei Worte, die man nicht zu häufig sagen kann - zumindest wenn man sich im Vereinten Königreich befindet. Mich wundert ab einem gewissen Punkt ja immer, dass sich nicht irgendwann jemand bei mir für seine bloße Existenz entschuldigt. Selbst wenn man selbst jemanden anrempelt, entschuldigt derjenige sich noch dafür, im Weg gestanden zu haben. Ein echtes Phänomen. Naja, und danke könnten wohl wir alle viel häufiger sagen, das finde ich schon immer sehr nett, dass man in England so nett zueinander ist.

ABER mal ganz von Anfang: Wie ihr ja dem letzten Beitrag hier schon entnehmen konntet, habe ich mich letzten Samstag nach London aufgemacht, Airberlin half mir mit einem Nonstop-Flug dabei, thankyou! Da der Flug um sechs Uhr früh gehen sollte und Boarding bereits um Viertel nach fünf starten sollte, hab ich mich für den Vorabend-Check-In entschieden, weil ich dachte, dann könnte ich am nächsten Morgen ohne große Tasche die paar Minuten, die ich zu spät kommen würde (weil die erste U-Bahn eben zu spät fährt) mit Rennen wettmachen. Nun, wer mich ein wenig kennt, kann sich bereits denken, dass mir das ma nächsten Morgen, als ich tatsächlich am Plärrer stand und auf das Öffnen, des U-Bahnhofs wartete, plötzlich viel zu unsicher erschien. Niemals zu schaffen, oh Gott, das Flugzeug wird ohne mich losfliegen und Jana steht dann allein in London und alles Geld zum Fenster hinausgeworfen ... ahhhhhhh. Also doch ein Taxi genommen, Vorabend-Check-In hätte ich mir also sparen können. Fünf Minuten nach fünf am Gate gestanden. Wann begann das Boarding? Logisch, erst um zwanzig vor sechs, U-Bahn hätte also locker gereicht. Naja, you never know.

In London angekommen (nur 45 Minuten mit regulärem Zug von Gatwick, also sehr easy), hab ich mich direkt mal auf meinen ersten Sightseeing-Ausflug gemacht. Da es erst 8 Uhr morgens war und Jana noch nicht mal in Lübeck abgehoben hatten, war ich vorerst allein unterwegs. Von der London Bridge Station, an der mein Zug ankam, ist es glücklicherweise nicht weit bis zu meiner absoluten Lieblings-Sight in London: Der Tower Bridge. Ich kann gar nicht sagen, warum, aber ich liebe diese Brücke. Ich finde sie einfach zu schön.


Später am Tag, nachdem Jana und ich unser (leider nicht so dolles) Hostel gefunden und die Betten in Besitz genommen hatten, haben wir noch ein wenig mehr Sightseeing gemacht (Shakespeare's Globe Theatre und St. Paul's Cathedral). Und abends gab es die von mir lang ersehnten Fish and Chips. Yumm, Yumm.

Sonntags ging es frisch ausgeschlafen dann ab nach Camden, dort findet von donnerstags bis sonntags der Camden Market statt. Eine Sammlung von allerlei Händlern verkaufen in so ziemlich jedem Hinterhof und überall wo es nur irgend möglich ist, Klamotten, Accessoires, Kunst, Möbel, Schnickschnack und alles mögliche mehr. Ein einziges großes Gewusel ist das, leckeres Essen gibt es außerdem noch an jeder Ecke. Wir haben uns letztendlich für Indisch entschieden an einer Ecke, wo man zum Essen dann total witzig auf ausrangierten Vespas Platz nehmen konnte.


Zwischendurch hatten wir noch kurz einen Abstecher in den Regent's Park gemacht, der gar nicht weit weg ist von Camden Town. Zu Fuß vielleicht so zehn bis fünfzehn Minuten, je nachdem, wo man längs läuft. Wir sind direkt am Kanal gegangen, eine wirklich schöne Strecke, vorbei an mehreren hübschen Hausbooten und Villen, direkt vorbei am London Zoo bis man im Park ist, wo London sich gerade in verschiedenen Sportarten übte und austobte - ihr müsst wissen, es war herrliches Wetter in London, Sonnenschein und bestimmt so 18 Grad. Perfekt um bei Kaffee und Muffin auf einer Parkbank zu sitzen und beim Lacrosse-Training zuzuschauen.

Montag ging's nach Greenwich, hier hatte erstens Jana n bissl Business zu regeln und zweitens ist es da einfach total schön im Park und am Royal Observatory, mitten am Nullmeridian, wo die Zeit so meantimig ist wie nirgends sonst. Hinterher waren wir noch in den Docklands unterwegs, wo alle möglichen Banken und Ratingagenturen sich ihre unendlich hohen, einschüchternden Glaspaläste hingebaut haben. Das ist zwar durchaus beeindruckend, aber nicht so richtig hübsch. Sehr schön ist dagegen das Dockland Museum, in dem die Geschichte der Londoner Docks dokumentiert ist, jeweils mit richtig schön nachgebauten Straßenzeilen aus den dargestellen Zeitabschnitten, sehr authentisch. Wer mal in London ist, sollte da hingehen, wenn seine Zeit es zulässt - Eintritt ist frei!


London ist irgendwie eine seltsame Stadt, total hektisch und betriebsam, egal wo man hinkommt. Ich mag die Stadt, ich finde sehr viele Ecken sehr, sehr hübsch, aber leben könnte ich hier niemals. Höchstens irgendwo in den Suburbs, die Stadt selbst ist mir viel zu voll und zu laut, zu schnell und zu unruhig. Alle Menschen, die hier leben, rennen. Den ganzen Tag. Nicht mal die Ruhe, an einer roten Ampel anzuhalten, gönnen sie sich. Die ganze Zeit wird aufgeregt Ausschau gehalten und sobald kein Auto mehr kommt, rennt man über die Straße. Nichts geschieht hier in normalem Tempo. Das wurde in den Docklands noch deutliches als sonst irgendwo in London (seltsamster Anblick überhaupt: Ein kompletter Supermarkt voll mit Anzug- und Kostümchenträgern und -trägerinnen). Ich bin kein Großstadtmensch, manche Ecken Londons haben mir aufgrund der Überfülltheit direkt Angst gemacht. Komisches Gefühl, so ähnlich muss Platzangst sich anfühlen.

Diese Hektik kam uns am Dienstag am deutlichsten entgegen, als wir rund um Oxford Street, Regent Street und Carnaby Street zum Shoppen aufbrachen. So viele Menschen, ständig steht man jemandem im Weg, muss ausweichen oder rennt beinahe jemanden um.

Mittwoch, am letzten Tag, war es dann wesentlich entspannter - wir hatten uns den Tower of London vorgenommen. Hier sind im Grunde nur Touristen unterwegs, die alle wesentlich langsamer, ruhiger und entspannter sind als die Londoner. Oh, und was sich dieser Besuch gelohnt hat - ich war ja erst ganz schön geschockt über den Preis, ganze 18 Pfund muss man löhnen, wenn man mittelalterlichen Palast von innen sehen möchte - aber es lohnt sich. Wirklich, geht alle in den Tower, wenn ihr in London seid. So viel Geschichte kriegt man nicht an vielen Orten ab. Wie uns der coole Beefeater, an dessen Führung wir teilgenommen haben, freundlicherweise mitteilte, ist der Tower keineswegs bloß ein Gefängnis gewesen, sondern hier haben ganze Generationen englischer Könige und Königinnen gelebt und von hier aus das Land regiert. Zwei der Ehefrauen von Henry VIII wurden hier hingerichtet. Außerdem werden hier die Kronjuwelen aufbewahrt (nun ja, Jana und ich glauben nicht recht dran, dass es die echten sind). Die sind zwar nicht soooo aufregend, aber eben da. Ein Besuch würde sich aber auch ohne die Krönchen und Juwelchen absolut lohnen - und ich hab jetzt so unglaublich große Lust, ein Buch über englische Geschichte zu lesen, man glaubt es nicht. Fast den kompletten Tag haben wir im Tower verbracht, bevor wir abends noch was essen waren und dann unsere Betten aufgesucht haben.

Denn am Donnerstag ging es auch schon wieder in Richtung Deutschland zurück, Janas Flug sollte bereits um 6 Uhr morgens gehen, daher fanden wir uns um drei Uhr nachts an einer Bushaltestelle wieder, auf einen Bus wartend, der mich zur London Bridge Station und Jana zur Liverpool Street Station bringen sollte. Für mich gings über Gatwick wieder nach Nürnberg, für Jana von Stansted nach Lübeck. So schnell vergehen fünf Tage....

Der White Tower - hier waren die Wohngemächer der Könige (im vierten Stock). Heute ist hier eine Ausstellung mit mittelalterlichen Waffen, Rüstungen und generell zum Tower drin.


Das Jewel House - hier werden die Kronjuwelen aufbewahrt, gar nicht mal so wenige, da kommen schon einige Kronen und andere schöne Dinge zusammen.


Traitor's Gate - zunächst war dieses Tor einfach nur als Zugang zum Tower von Flussseite her gedacht - im Laufe der Zeit wurden aber vor allem die politischen Häftlinge über diesen Zugang in den Tower gebracht, weil von der Wasserseite mit weniger Problemen zu rechnen war. Politische Häftlinge waren in der Regel des Verrats angeklagt, daher setzte sich irgendwann der Name "Traitor's Gate" durch.


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