Sonntag, 16. Oktober 2011

Bücherquatsch: Vier

Erinnert ihr euch? Ich hab irgendwann mit diesem Bücherquatsch angefangen und hoch und heilig (naja, so ähnlich) versprochen, dass ich ihn (immerhin 30 Einträge sollen es werden) auch zuende führe. Jetzt sind wir immerhin schon bei Nummer vier, Applaus bitte!

"Dein Hassbuch"

Darauf hab ich jetzt richtig Lust, mal ordentlich Bücher dissen, die einfach nix Dolles sind. An sich fand ich Verrisse zwar schon immer schwierigier zu schreiben, als wohlwollende Rezensionen (weil man viel besser argumentieren muss..), aber da das hier ja nur mein ganz privates stilles Blöglein ist, erspar ich mir die guten Argumente und zieh einfach nur vom Leder. Die folgende Liste ist alles andere als komplett, dafür hasse ich viel zu viele Bücher leidenschaftlich. Aber alle wären halt zu viel.

OK, let's go...

Alfred Döblin - Berlin Alexanderplatz
Mit diesem Buch hab ich noch ne Rechnung offen. Hat es von euch schon jemand probiert zu lesen? Es ist furchtbar. Hochgelobt natürlich, ein Klassiker der expressionistischen Literatur. Richtungsweisend in Sprache und Inhalt. Blabla. Was wir Literaturwissenschaftler halt so schreiben, wenn wir Bücher selbst ätzend finden, uns aber klar ist, dass es Klassiker sind oder werden. Jedenfalls beschreibt Döblin, wie Franz Biberkopf nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis in der Großstadt Berlin so zurechtkommt. Dass das alles sehr verwirrend ist, stellt Döblin unter anderem durch verwirrende, nicht immer grammatikalisch korrekte Sprache dar. Und damit verliert er mich jedes Mal, das ich versuche, diesen Roman zu lesen. Bisheriger Rekord: Seite 36. Ehrlich, manchmal wünsch ich mir, Friseurin zu sein und ohne schlechtes Gewissen sagen zu können: "Nee, das Buch ist total ätzend, da passiert überhaupt nix und der Autor kann nicht mal richtig deutsch. Dann lieber das neue von Rosamunde Pilcher." ..

Historische Romane, vornehmlich von deutschen Autorinnen
Ich finde es so traurig. Immer wieder mal probier ich einen historischen Roman aus, weil ich das Thema oder die spezielle Zeit interessant finde. Oder den Ort. Oder weil der Einband schön ist, auch das kommt vor. Und jedes Mal, wirklich jedes einzelne Mal, wenn man den historischen Roman einer Autorin (vornehmlich die deutschen, hab ich das Gefühl) liest, fühlt man sich nach 100 Seiten wie in einem Softporno. Da werden die interessanten historischen Fakten dann immer nur noch so irgendwie passend gedreht, dass sich die nächste Bettszene auch vernünftig entwickeln kann. Ätzend. Wenn ich nen Softporno will, kauf ich mir nen Softporno. Ich finde es jämmerlich, so zu tun als schriebe man historisch nur um seiner Phantasie freien Lauf lassen zu können. Schaut euch Charlotte Roche an, die schreibt genau über das, worüber sie schreiben will und kommt damit in die Bestsllerlisten. So macht man das!

Die Biss-Reihe
Muss ich da eigentlich erst so richtig in die Tiefe gehen? Ich glaube, hier ist schon jedem klar, warum man diese Reihe nicht mag, wenn man sie nicht mag, oder? Ich meine, als ob verliebte Teenagermädchen nicht schlimm genug wären, hier tummeln sich auch noch verliebte Vampire und Werwölfe. Gegen die hab ich prinzipiell gar nicht so viel, wenn sie sich denn zumindest ein bißchen ihrer fantastischen Natur entsprechend verhalten. Nämlich fies, geheimnisvoll und düster. Und wenn sie schon mit ihrem Dasein hadern, dann doch bitte wie bei Anne Rice. Also auch hier eine ganz klare Nicht-Lese-Empfehlung!

Bücher von Robert Musil
Es tut mir in der Seele weh, aber ich disse mit diesem Autoren schon den zweiten, den meine Mutter liebte. Döblin und Musil mochte sie besonders - ich nicht so. Bei Musil finde ich einfach alles viel zu lang ausgewalzt und so viel unverständliches Blabla auf vielen, vielen Seiten. Die Charaktere kommen einfach nicht aus dem Quark. Literaturwissenschaftlich wieder ein ganz großer Wurf, klaro - aber für den rein an der Handlung interessierten Leser wirklich schlimm. Ich hab "Die Verwirrungen des Zöglings Törleß" in der Uni lesen und analysieren müssen .. also, man kann da Menge rausholen, aber Spaß macht das nicht! Aus Solidarität und Liebe zu meiner Mutter habe ich mir letztens "Der Mann ohne Eigenschaften" gekauft. Ich zweifle aber dran, dass ich es wirklich lesen werde. Ich kleiner Poser ich, alles im Regal stehen haben, nix lesen....pff.

Heinz Strunk - Fleisch ist mein Gemüse
Während ich den Titel dieses Buches nach wie vor liebe, verachte ich den Inhalt umso stärker. So große Erwartungen hatte ich, zumal auf dem Buchrücken Rocko Schamoni großartig tönt, man müsse Mitleid mit jenen haben, die dieses Buch nicht gelesen haben. Nun ja, nachdem ich kurz drauf endlich mal "Dorfpunks" gelesen hatte, war mir klar, dass eine solche Aussage von Herrn Schamoni mal gar nix heißen muss. Trotzdem ist sein Buch im Gegensatz zu "Fleisch ist mein Gemüse" zumindest ganz nett und unterhaltsam. Das von Heinz Strunk ist einfach nur strunzlangweilig und zuweilen unappetitlich. Und bereits auf Seite sechs ist ein Riesengrammatikfehler, der mich damals dazu brachte, das Buch ist einmal für mehrere Tage i in die Ecke zu pfeffern. Schlimm, lest lieber was anderes.

So, ich fühle mich ob all des abgelassenen Dampfs jetzt sehr entspannt und spare mir daher meine anderen Hassbücher für ein anderes Mal auf, womöglich möchte ich zu einem anderen Zeitpunkt noch einmal darüber sprechen und mich dann nicht wiederholen.... ;)

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