ich hab ja im Moment viel Zeit zu lesen, vergess aber immer, hier mal was drüber zu schreiben. Hier jetzt einfach mal ein paar kurze Sätze zu der Lektüre der letzen Zeit:
Sophie Benning - Kann man Hormone dressieren?
Ungewöhnlicher Titel für mich, normalerweise geh ich Frauenromanen aus dem Weg. Aber der Titel war so blöd, dass ich ihn fast schon wieder OK fand. Das Buch ist natürlich keine Nobelpreis-Lektüre, war aber echt ganz witzig. Drei Mädels Anfang 20 gründen ne WG und lassen ihre Hormone und Gefühle die Kontrolle übernehmen. Definitiv nur für Mädchen - und definitiv was für Sonntagnachmittage. Länger dauert's auch nicht. (Hier kann man das auch nochmal in Langform lesen)
Karen Duve - Dies ist kein Liebeslied
Das hier ist schon wesentlich anspruchsvoller, hier geht es um Anne, die gerade auf dem Weg nach London ist, um ihrer Jugendliebe endlich zu sagen, dass sie schon ihr Leben lang in ihn verliebt ist. Auf dem Flug lässt sie ihr Leben Revue passieren - und schildert dabei auf sehr sarkastische Weise ihren Selbsthass und ihren immer wiederkehrenden Todeswunsch. Denn sie fühlt sich nie gut genug, immer zu dick, zu häßlich, zu langweilig. Karen Duve schreibt sehr lakonisch über das Gefühl, nicht ausreichend zu sein. Das ist einerseits sehr unterhaltsam und andererseits sehr erschreckend, weil da so Sätze drin stehen wie:
"Wenn man erkennt, dass man den Verstand verliert, ist es das Klügste, die Sache für sich zu behalten und geistige Gesundheit vorzutäuschen, indem man sich wie alle anderen benimmt. Alle anderen hatten Freunde und Sex, sie hatten Berufe, gingen auf Parties und Reisen und freuten sich fünf Tage lang aufs Wochenende. Also ging ich ebenfalls mit Männern ins Bett und mit Frauen in Bars, scheiterte in diversen Jobs, langweilte mich auf Festen und woanders und schnitzte mir sonntags mit einem Kartoffelschälmesser Muster in die Oberarme."
Die Frau geht jedenfalls ziemlich in die Extreme, um geliebt zu werden und um endlich einmal das Gefühl zu haben, dass jemand sie als wunderbar empfindet. Die meiste Zeit ist sie aber einfach deprimiert und pessimistisch und ziemlich lebensmüde. Das Buch hat mich sehr beeindruckt.
Pier Domenico Baccalario - Will Moogleys Geisteragentur
Süßes Häppchen für zwischendurch - Will hat die Geisteragentur seines Onkels geerbt und hofft jetzt, sie wieder besseren entgegenzusteuern. Wie das gehen könnte? Tja, ein neues Hotel - das Scary Inn - sucht noch einen Lieferanten für wirklich Furcht erregende Geister. Ein sehr lukrativer Auftrag, den aber leider auch der Erzrivale Adam Fullerton an Land ziehen will. Wirklich süße Geschichte um Geister und Außenseiter und "Wer zuletzt lacht....". Hätte ich früher ganz sicher mit Taschenlampe unter der Bettdecke gelesen (und ich gebe zu, einen Teil des Buches habe ich tatsächlich so gelesen..). Wer also Nichten/Neffen in Leseanfängeralter hat...das hier ist zu empfehlen.
A. Lee Martinez - Diner des Grauens
Dieses Buch ist echt lustig! Laut Klappentext soll es Lesern von Terry Pratchett gefallen..nun ja, ich finde Terry Pratchett ja nicht so super, aber bei diesem Buch habe ich wirklich viel gelacht. Earl und Duke - Vampir und Werwolf - landen aus Geld- und Benzinmangel in einem Kuhkaff, dessen größte Attraktionen Gil's All Night Diner und ein Geisterminigolfplatz sind. Als sie im Diner gerade einen Snack zu sich nehmen, greifen Zombies vom benachbarten Friedhof an - und die beiden können irgendwie nicht anders, als der Inhaberin zu helfen. Sie bleiben dann netterweise noch länger um der Sache mit den Zombies auf den Grund zu gehen - und ich sag Euch, der Untertitel "Wir servieren Pommes mit Armageddon" trifft ins Schwarze. Völlig abgedreht, lustige Figuren, witzige Dialoge.
Don DeLillo - Falling Man
In Falling Man geht es um den 11.September 2001 und das Leben danach. Der Titel und eine gleichnamige Figur im Roman verweisen auf ein viel diskutiertes Foto hin, das einen Mann zeigt, der aus dem WTC gesprungen ist und kopfüber im Sturz zu sehen ist. Es wurde zwar in den meisten Zeitungen abgedruckt, allerdings schnell als pietätlos eingestuft und nicht mehr verwendet. Im Roman ist der Falling Man ein Performancekünstler, der sich kopfüber von Brücken und Gebäuden abseilt. Ziemlich bizarr erscheint dies den jeweiligen Beobachtern und keiner weiß so recht, was der Falling Man damit ausdrücken möchte. Eher ein anstrengenderes Buch - ich hab es furchtbar gern gelesen und werde auch noch mehr von Don DeLillo lesen, aber wer einfach nur nach Feierabend unterhalten sein will, für den ist es eher nix.
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