Ich komme gar nicht mehr hinterher, über die vielen Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe, zumindest kurze Statements zu posten. Heute habe ich dieses ausgelesen: Bethan Roberts, "Köchin für einen Sommer".Spielt in Sussex, England, 1936.
Die junge Kitty stößt auf eine Job-Annonce ("Köchin für Künstlerhaushalt gesucht Aufgeschlossenheit erforderlich") und bewirbt sich direkt. Denn im Haushalt ihrer Schwester Lou und deren Ehemann Bob hält sie es nicht mehr aus. Nun ja, und die Suchende, neue Inhaberin des Willow-Cottage, soll Amerikanerin sein - vielleicht fällt es da ja gar nicht auf, dass sie außer Hausmannskost nicht viel kochen kann.
Und tatsächlich bekommt sie den Job und findet sich plötzlich in einem Haushalt voller Bohemien wieder. Duke Ellington schallt durchs Haus und Mrs. Steinberg und Mr. Crane, für damalige Zeiten in reichlich wilder Ehe zusammenlebend, ist es mehr als egal, wer sie beim Sex hört und wer nicht. Für Kitty, aus wohlgeordneten Verhältnissen und immer darauf bedacht, bloß nicht aufzufallen, ist das manchmal schon ein bißchen viel.
Wunderbares Buch - fängt perfekt die Stimmung auf dem Lande in den Dreißigern ein - zumindest stelle ich mir das in den Dreißigern so vor. Die oberen Zehntausend, zu denen Steinberg und Crane gehören, machen sich Gedanken über Freiheit des Geistes und Emanzipation, während die Bourgeoisie nicht über die Klassenzugehörigkeit hinwegsehen kann und sich duckmäuserisch verhält. Hier treffen sie wegen der Enge des Raumes auch einmal aufeinander und sind gezwungen, sich miteinander auseinanderzusetzen. Und die ein oder andere Liebesverwirrung gibt es auch noch....schön.
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