Neben Kultur stand auf Anjas und meinem Programm auch ein Besuch in Buchenwald. Das KZ, heute eine Gedenkstätte, liegt nur etwa zehn Autominuten von Weimar entfernt mitten im Wald, in scheinbarer Idylle.
Wenn man das Lager betritt und auf dem Appellplatz steht, kann man in der Ferne, jenseits der Lagerbegrenzungen, eine wunderschöne Hügellandschaft sehen. Wie Hohn muss es den hier Gefangenen vorgekommen sein, dass die Freiheit so nah schien und alles um sie herum so ruhig und ländlich wirkte, während im Lager selbst Gewalt, Terror und Sterben zur täglichen Routine gehörten. Die pure Existenz dieses Ortes kommt einem so unfassbar vor, obwohl man ihn direkt vor Augen hat.
Unglaublich auch, was man in der Dauerausstellung zur Geschichte des Lagers an Originaldokumenten zu sehen bekommt: Hinrichtungsbefehle, Auswertungen von medizinischen Experimenten, die an den Gefangenen durchgeführt wurden, statistische Erhebungen über sämtliche "Veränderungen" im Lager (Neuzugänge, Abgänge, Todesfälle). Erschreckend und zynisch wirkt die Art, wie in diesem Lager über Leben und Sterben entscheiden wurde, wie wenig Wert tatsächlich ein nicht-deutsches, nicht-arisches Leben für die Nazis hatte. Natürlich hat man das alles im Geschichtsunterricht gehört und in unzähligen Dokumenationen gesehen, aber es ist wirklich etwas anders, es so schwarz auf weiß zu sehen. Insbesondere als ich auf einem der Dokumente einen Namen wiedererkenne, wird mir doch etwas anders: Zur Einführung wird in Buchenwald ein Dokumentarfilm gezeigt, in dem auch Überlebende zu Wort kommen. Einer von ihnen tauchte in einer Liste von Männern auf, die unfruchtbar gemacht werden sollten. Natürlich nur einer von vielen, aber diese Name hatte für mich Gesicht.
Insgesamt hat mich der Besuch in Buchenwald sehr nachdenklich gemacht. Dass die breite Masse der Deutschen damals Hitlers Propaganda verfallen war, das kann ich in Anbetracht der Umstände der Zeit vielleicht noch verstehen...aber wie man die Augen vor allem, was in den vielen KZs geschehen ist so verschließen konnte, ist mir unverständlich. Noch krasser sind natürlich die vielen SS-Männer, die aktiv in den Lagern mitgefoltert und -gemordet haben...wie kaltblütig müssen diese Menschen gewesen sein? Wie gesagt - schon die pure Existenz des Lagers Buchenwald erscheint mir unfassbar - was hier alles passiert ist - dafür fehlen mir einfach die Worte.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen