Mittwoch, 3. November 2010

Die kleinste Hauptstadt Europas und der größte Dandy der Welt

Irland, Tag zwei: Ein Spaziergang durch Dublin

Nach einer mehr oder minder erholsamen Nacht in unserem Hostel (begünstigt durch den vorabendlichen Genuss mehrerer überteuerter Pints Cider), haben wir erstmal das "üppige" Frühstück genossen (Toast mit Marmelade und Tee), bevor wir uns auf Sightseeingtour aufmachen wollten.

Zuerst mussten Yvonne und ich aber unsere Enttäuschung verkraften, als wir auf dem Weg zum Frühstück nicht unsere Koffer an der Rezeption erblicken konnten. Also weiterhin keine Wechselklamotten (definitiv eine Lektion, die ich für den nächsten Flug gelernt habe: immer Wechselzeugs im Handgepäck haben). Moni war weiterhin enttäuscht, dass sie sich umziehen konnte. Ist aber auch zu gemein! ;) Nun, bevor wir also das Hostel verließen, wollten wir zumindest den netten Typen an der Rezeption Bescheid geben, dass wir noch auf zwei Gepäckstücke warten und die vermutlich im Laufe des Tages eintrudeln würden. Könnt Ihr Euch unsere Freude vorstellen, als er nach hinten deutete und fragte "D'you mean those?" - unsere Taschen waren da!!!! Jetzt wo das geklärt war, konnten wir ja ganz beruhigt (natürlich ohne uns umuziehen - wenn man die Möglichkeit dazu hat, wird die ganze Sache plötzlich nicht mehr so attraktiv) losziehen um Dublin zu entdecken.

Dublin ist eine unglaublich kleine Hauptstadt. Es leben hier gerade mal etwas mehr als 500.000 Leute. Und dementsprechend kann man die Sehenswürdigkeiten locker zu Fuß erreichen, wenn man nicht gerade am äußersten Rand wohnt. Da unser Hostel ziemlich zentral lag, hatten wir damit keine Probleme und hatten schon nach fünf Minuten Gehens die erste Sehenswürdigkeit erreicht: Die St. Patricks Cathedral. Hier liegt Jonathan Swift begraben, der dort im 18. Jahrhundert Dekan war. Leider interessierte das weder Moni noch Yvonne auch nur die Bohne, so dass wir nicht rein sind. Aber draußen im Regen war's ja auch nett.


Als nächstes haben wir uns in Richtung Dublin Castle aufgemacht, aber das ist wirklich nichts Besonderes. Denn von der mittelalterlichen Festung ist nur ein Turm erhalten geblieben, der Rest stammt aus dem 19. Jahrhundert und wird heute von der Stadtverwaltung bewohnt. Drinnen im Schloss soll es wohl recht nett sein, aber ... nun ja ... das Interesse an Kultur war flüchtig an diesem Tag. Also schnell weiter.

Auf dem Weg zum Trinity College haben wir, keiner weiß genau, wie es dazu kam, plötzlich Temple Bar, den Partydistrikt wiedergefunden. Und Leute, ich sage Euch, Sonntag nachmittags in Dublin in einem Pub zu stehen und sein Cider zu trinken, ist echt mal ne feine Sache. Es gibt Livemucke, in der Glotze laufen seltsame Sportarten (all-Ireland-Finale im Hurling, NEIN, nicht Curling. Hurling.). In dem Pub, in den es uns zog, waren wirklich alle Altersstufen vertreten und ALLE haben Bier getrunken und waren äußerst lustig drauf. Da haben wir dann doch einfach mal mitgemacht. Das war Kultur, die allen Spaß gemacht hat.


Hinterher ging es also mit neuen Kräften wieder hinaus in den Regen. Ich entwickelte langsam das Gefühl, dass ich Moni und Yvonne ohne Kapuzen gar nicht mehr erkennen würde. Aber die beiden hatten auch am Trinity College wenig Lust, ein wenig Zeit im Trockenen zu verbringen und sich zum Beispiel das Book of Kells, eines der ältesten Bücher der Menschheit, anzuschauen. Also frischauf weiter, ein Ziel hatte ich noch und dieses Mal sollten sich Kulturlust und unbedingter Wille, an der frischen Luft zu bleiben, nicht ausschließen. Denn einem der bekanntesten Einwohner und Schriftsteller der Stadt - Oscar Wilde - hat die Stadt ein Denkmal in einem Park errichtet. Hier hockt er, Dandy der er war, genießerisch auf einem Stein und lässt es sich gutgehen. Fein, fein.

Auf dem Rückweg ins Hostel haben wir dann noch aus Versehen die Innenstadt Dublins entdeckt, die mich spontan ein wenig an Flensburg erinnert hat. Schnell noch in einen Supermarkt gewackelt, für teures Geld eingekauft und im Hostel gekocht. Da haben wir dann noch eine kanadische Europareisende getroffen, die unsere Pläne, abends noch ein untouristisches Pub aufzusuchen ganz hervorragend fand. Gelandet sind wir letztendlich (nach einer wirklich langen Wanderung durch wirklich verlassene Gegenden der Stadt mit wirklich mulmigem Gefühl dabei) im Cobblestone. Den hatte der LonelyPlanet empfohlen - und Recht damit gehabt. Hier saßen im vorderen Bereich vier Leute und haben tatsächlich mit Fiedeln spontan Musik gemacht, die Dubliner haben ihren Sonntagabend genossen und wir waren die einzigen Touristen. Außerdem haben wir das Geheimnis der irischen Sprache gelüftet: Man KANN sie gar nicht verstehen, denn sie benutzen eine hochentwickelte Art des Bellens. Man muss einfach nur zurückwuffen und wahen (wah-wah-wah-roff-roff-roff) und schon führt man ein intellektuelles Gespräch. Piece of cake.

Song des Tages: Whiskey in the Jar

Halte ich mittlerweile für ein irisches Volkslied, hört man dort jeden Tag mehrmals und zwar in jeder Ecke des Landes, die wir besucht haben.

Ein Tag ohne Zwischenfälle, aber beim Schlafengehen wurde mir trotzdem mulmig. Schließlich würden wir am nächsten Morgen das Auto abholen, das unter anderem ich durch Irland (auf der linken Seite) bewegen sollte. Uiuiui...ob da wohl alles gut geht???? Erzähl ich dann demnächst...

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