Oh Mann.
Ist schon komisch, wenn die normalsten Dinge der Welt manchmal doch große Gefühlsschwankungen auslösen. Mein kleiner Bruder hat mir gerade von Plänen erzählt, die er hat. Er wohnt ja noch bei meinem Vater, wo ich auch noch eine Art persönliches Gästezimmer habe. Es ist nicht mehr mein Zimmer, das ich hatte, als ich noch wirklich dort gewohnt habe, aber es ist auch kein Gästezimmer für jedermann. Es ist mein ganz persönliches Gästezimmer, wo noch einige meienr Dinge stehen, die ich beim Auszug nicht mitgenommen habe. Bücher, Bilder, Videos, CDs, sogar alte Mixtapes von mir, noch richtige Kassetten. In diesem Zimmer wohnt meine Vergangenheit. Und wenn ich in NMS bin, wohne ich dort auch.
Nun ist das Zimmer meines kleinen Bruders direkt neben diesem persönlichen Gästezimmer. Und der aufgeweckte Leser wird sich jetzt denken können, was kommt: Ole hat sich überlegt, dass er gerne beide Zimmer nutzen möchte, eines als Schlafzimmer, eines als Wohnzimmer. Ich und meine Vergangenheit, wir müssten also weichen. Wir müssten ins tatsächliche Gästezimmer umziehen, wo tatsächlich jeder zufällige Gast schläft. An sich sollte das kein Thema sein, viele von Euch haben ja auch kein wirklich eigenes Zimmer mehr bei ihren Eltern, ist schon klar. Und ich kann Ole auch verstehen (obwohl ich mir einfach eine eigene Wohnung suchen würde) und rein rational betrachtet wohnt er tatsächlich dort und ich eben nur wenige Tage im Jahr. Ihm steht mehr Platz zu als mir.
Und trotzdem. Ich habe ein komisches Gefühl dabei. Es ist, als würde man endgültig ausziehen. Oder als würde man das erste Mal richtig ausziehen. Ich bin damals, als ich nach Kiel gezogen bin, im Zorn gegangen, wollte nie mehr einen Fuß in das Haus meines Vaters setzen. Aber mein Vater hat mir dieses Zimmer gelassen.
Ich würde meine persönlichen Dinge, die eben noch in diesem Zimmer sind, nicht offen in dem anderen Zimmer stehen haben wollen. Schließlich kann dort jeder schlafen, es geht schließlich nicht jeden mein Kram was an. Meine aus sentimentalen Gründen aufgehobenen kleinen Geschenke von Freundinnen, die heute kein Wort mehr mit mir wechseln, aber früher so wichtig waren. Meine Kalender aus der Abizeit, in die ich wirklich alles eingetragen habe, fast schon wie Tagebücher. Meine Fotos. Meine kläglichen Versuche, selbst schriftstellerisch aktiv zu werden. All das, meine Vergangenheit würde in ein oder zwei Kartons wandern und auf dem Dachboden vermodern. Vielleicht wäre es gut so, wer weiß.
Das neue Zimmer, das Gästezimmer, wird weniger persönlich. Es wird nichts von mir drinstehen, es wird nicht von mir gestrichen sein, es werden nicht meine Bilder an der Wand hängen. Ich werde nur noch Gast sein und nicht mehr, wenn auch nur wenige Tage im Jahr, wirklich zu Hause.
Ein komisches Gefühl. Aber vermutlich soll und muss es so sein.
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