Montag, 18. Januar 2010


Ben Kweller - Hurtin' You

Normalerweise sage ich Leuten, die sich bei mir ein bißchen ausheulen und dann sagen "Aber ich sollte nicht so weinerlich sein, anderen Menschen geht es viel schlechter als mir", immer, dass die Einstellung auf eine bestimmte Weise blöd ist. Denn die eigenen Probleme sind nunmal genau das: Die EIGENEN Probleme. Die sind nunmal den ganzen Tag, die ganze Woche, den ganzen Monat bei einem, im Kopf, im Herzen. Sie sind also wesentlich präsenter als die Probleme anderer Menschen, denen es vermutlich trotzdem wirklich schlechter geht. Solange man nicht aus jeder Mücke einen Elefanten macht, finde ich es völlig legitim, die eigenen Probleme auch mal als solche zu betiteln und sich deswegen mal ein wenig vom Leben schlecht behandelt zu fühlen.

Aber ich sehe gerade in meinem eigenen engsten Kreise, dass die eigenen Probleme dann auch schnell in den Hintergrund treten. Denn wenn da plötzlich jemand mit dem Leben und seinen Tiefen kämpft, aus Gründen, die ich zwar aus eigener Erfahrung kenne aber mit Mitteln, die ich nur im Ansatz nachvollziehen kann, wirken die eigenen Probleme tatsächlich lächerlich. Und trotzdem - wenn diese Herzensperson ihre Probleme kleingeredet hätte und nicht offen mit ihnen umgegangen wäre, wäre die Situation noch schlimmer. Auf die Balance kommt es also an, darauf, Ärgernisse richtig zu bewerten und dann gegebenenfalls zu reagieren.

Ich werde mich jetzt erstmal aufs Dasein-für-jemanden verlegen. Telefonisch, postalisch, gedanklich. Persönlich geht ja wegen bescheuerter 700 Kilometer nicht. :(

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