Donnerstag, 20. August 2009

If you wanna be free, be free!


Ich habe gestern wieder eine Lücke geschlossen, eine cinematographische Lücke. Mit Moni und (Nürnberg-)Steffi war ich im Open Air Kino, um mir nach langen Jahren des Vornehmens endlich Harold und Maude anzusehen. Und was soll ich sagen? Die Lücke hätte ich vielleicht früher schließen sollen, aber irgendwie war gestern definitiv der richtige Abend, um es zu tun. Manchmal passt ja einfach alles zusammen.

Auf dem Bild sieht man schon, dass die Kulisse schonmal einmalig gewesen ist - Die Katharinenruine am Rand der Nürnberger Altstadt (im Grunde neben der Roten Bar). Die Ruine ist 1296 - damals natürlich nicht als Ruine sondern als komplettes Gebäude - zum Kloster geweiht worden, wurde allerdings später von dem Orden verlassen. Ende des 16./Anfang des 17. Jahrhunderts haben dann die Meistersinger die Räume als Versammlungshalle genutzt, hier ist also schon einiges von historischem Wert geschehen. Mittlerweile wird die Ruine (wurde wie so vieles 1945 kaputt gebombt) meist zu profanen wie Open-Air-Kino genutzt.

Passend war natürlich auch das Wetter, tagsüber haben wir bei 30° geschwitzt, klar, dass man da abends raus wollte, um das zwar noch warme, aber endlich kühlere Wetter zu genießen. Außerdem sehr passend der sich langsam senkende, blaue Abendhimmel, natürlich sternenklar....ach, es war eine perfekte Nacht für einen Open-Air-Filmabend.

Und dann noch dieser Film! Ich gebe zu, ich wollte ihn schon immer sehen, habe mir aber nie Gedanken gemacht, worum es wohl gehen könnte. Der Wunsch, den Film zu sehen, resultierte wohl eher daraus, dass es eben mittlerweile ein Klassiker und Kultfilm ist, "den man gesehen haben sollte" usw. Ich hab unterbewusst immer vermutet, dass er so in der Art von "Harry und Sally" oder meinetwegen auch "Miss Daisy und ihr Chauffeur" sein würde. Zwei Hauptfiguren halt, die zusammen Barrieren niederreißen oder so - eher im romantischen Sinne natürlich! ;-)

Was soll ich sagen - der Film ist so anders, als alles, was ich erwartet habe. So makaber, abwegig, absurd teilweise, tiefsinnig, herzerwärmend und traurig, gleichzeitig aber schön. Harold ist Anfang zwanzig und Maude fast achtzig, das war schon die erste Überraschung, ich habe immer ein englisches Pärchen in seinen späten Zwanzigern vermutet (vermutlich wegen der Vornamen). Er liebt Beerdigungen und die Vorstellung, tot zu sein - sie geht ebenfalls gerne zu Beerdigung und plant insgeheim ihren eigenen Abtritt. Denn Achtzig ist doch ein feines Alter, um abzutreten, nicht?

Ich mag nicht zu viel von der Handlung verraten, denn das macht einen großen Teil des Reizes aus, dass die absurden Szenen einen zum Erschrecken, Lachen und zu der Frage bringen, welche Drogen der Regisseur genommen hat (und wo man die bekommen kann). Musikalisch wird das ganze von Cat Stevens begleitet, in den passendsten und unpassendsten Momenten säuselt er einem seine Weltverbesserungssongs ins Ohr, ob da nun gerade Blut fließt oder nicht. Schön, einfach schön. Empfehlenswert.

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